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8. Februar 2007
«Diese Ergebnisse rechtfertigen es nicht, eine harte Droge zu legalisieren» ©ddp
2007-02-08 08:37:23 - Die Unions-Fraktion im Bundestag lehnt die staatliche Vergabe von
pharmakologisch erzeugtem Heroin weiter ab, obwohl am Mittwoch
sieben Projektstädte in Frankfurt am Main appellierten, die
Heroinambulanzen zu erhalten.
Berlin (ddp). Die Unions-Fraktion im Bundestag lehnt die staatliche Vergabe von pharmakologisch erzeugtem Heroin weiter ab, obwohl am Mittwoch sieben Projektstädte in Frankfurt am Main appellierten, die Heroinambulanzen zu erhalten. In einem 2002 begonnenen Projekt, an dem auch CDU-geführte Städte wie Hamburg, Karlsruhe und Frankfurt/Main teilnahmen, wurden rund 1000 Schwerstabhängige mit künstlich hergestelltem Heroin oder dem sonst üblichen Ersatzstoff Methadon behandelt. Dabei seien Patienten der Herointherapie gesünder und weniger kriminell gewesen, berichtet die «Berliner Zeitung» (Donnerstagausgabe).
Die Unionsfraktion bleibe dennoch skeptisch. «Diese Ergebnisse rechtfertigen es nicht, eine harte Droge zu legalisieren», sagte der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn. Um Heroin als Arznei zuzulassen, müsste das Betäubungsmittelgesetz geändert werden. Eine Herointherapie sei zudem auch zu teuer. Sie koste den Staat für 1000 Bedürftige knapp zwanzig Millionen Euro im Jahr und damit etwa das Dreifache wie die Methadonbehandlung.
Die drogenpolitische Sprecherin der Unionsfraktion Maria Eichhorn (CSU) sagte, die Beendigung der Heroinbehandlung sei nach wie vor eine richtige Entscheidung. Derweil wollen viele christdemokratische Kommunalpolitiker und auch Oberbürgermeister wie etwa Petra Roth (CDU) in Frankfurt die Heroinambulanzen nicht aufgeben. Einzelne CDU-Politiker werfen der Unionsfraktion eine ideologische Haltung in der Drogenpolitik vor.
(ddp) © ddp
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Presse, Heroinvergabe |
1. Februar 2007
Roger Kusch, HeimatHamburg, ist gegen die staatliche Vergabe von Heroin an Süchtige. “Drogensüchtige sind sowohl kriminell als auch krank”, so Kusch zur Diskussion über die Verlängerung des bundesweiten Modellversuchs. Kusch: “Es bleibt für mich selbstverständlich, dass wir Kranken - auch wenn sie kriminell sind - die Chance der Heilung bieten.” Die Heroinvergabe sei viermal so teuer wie die Vergabe von Methadon und habe Hamburger Steuerzahler bislang zwölf Millionen Euro gekostet, die Zahl der teilnehmenden Süchtigen sei auf 80 gesunken.
Hamburger Abendbatt 29.1.2007
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Presse, Heroinvergabe |
29. November 2006
Nach einem Bericht der EU-Beobachtungsstelle für Drogen sind die Preise illegaler Drogen erheblich gefallen, obwohl die Zahl der Sicherstellungen in der EU zwischen 1999 und 2004 permanent anstieg.
Dem Bericht zufolge dürften Drogen in Europa derzeit so günstig sein wie noch nie. Die von der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht veröffentlichten Ergebnisse beruhen auf einer Fünfjahresanalyse der Straßenpreise von Drogen wie Cannabis, Kokain, Heroin, Amphetamin und Ecstasy. Danach haben sich die Durchschnittspreise der meisten Substanzen in fast allen Ländern mitunter halbiert.
Drei Aspekten wird besondere Bedeutung beigemessen, darunter der Freizeitkonsum von Drogen, die europäische Drogenpolitik sowie der unterschiedliche Drogenkonsum nach Geschlechtern. Anhand zahlreicher Fakten und Zahlen erschafft der Bericht einen Überblick zur Problematik in allen 25 EU-Mitgliedstaaten sowie in Norwegen, Bulgarien, Rumänien und der Türkei.
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Alkohol und Drogen |
17. November 2006
Leute, wir suchen AutorInnen und Autoren für dieses Portal. Schreibst Du gerne? Kennst Du Dich mit Sucht aus? Bist oder warst Du gar selbst süchtig? Wir, wie unsere Leser, sind an Euren Geschichten interessiert. Schreib Deine Story anonym und wenn aus der kleinen Geschichte eine Autobiographie wird, macht nix…. wir veröffentlichen Sie gerne. Also habt Mut und schreibt und Eure Geschichte. Hier geht es zu den Geschichten, die das Leben schreibt.
www.sonderglocke.de
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Alkohol und Drogen |
17. November 2006
Die Hessische Landesregierung veröffentlicht ihren Suchtbericht für 2003 und 2004
Den Bericht lesen Sie hier: Suchtbericht Hessen 2003 -2004
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Sucht- und Drogenberichte |
6. November 2006
Kinder suchtkranker Eltern – so lautete das Thema des zweiten hessischen Landesforums Sucht im Titus-Forum der Frankfurter Nordweststadt.
Rund 100 Teilnehmende aus verschiedenen Arbeitsfeldern bekamen bei der Tagesveranstaltung der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen (HLS) in Referaten, Seminaren und einer Schlussdiskussion zahlreiche Informationen zum Thema Kinder suchtkranker Eltern.
Neben den Informationen zogen sich zwei Bereiche wie ein roter Faden durch den Tag:
• Hilfemöglichkeiten und Projekte für Kinder von Suchtkranken
• Kooperation und Zusammenarbeit der Stellen, die mit Sucht und/oder mit Kindern zu tun haben.
Den ganzen Bericht lesen Sie hier:
Dokumentation Landesforum Sucht 2006: Kinder suchtkranker Eltern
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Sucht- und Drogenberichte |
6. November 2006
Kurz nach dem Regierungsantritt der Großen Koalition im November 2005 habe ich (Sabine Bätzing) das Amt der Drogenbeauftragten der Bundesregierung angetreten. Im Koalitionsvertrag vom 11. November 2005 ist festgelegt:
„Die Drogen- und Suchtpolitik steht weiterhin auf den vier bewährten Säulen Prävention, Therapie, Schadensminderung und Repression. Grundlage ist der geltende Aktionsplan Drogen und Sucht. Die in der EU-Drogenstrategie 2005–2012 niedergelegten Vorgaben zur Angebots- und Nachfragereduzierung werden konsequent umgesetzt.”
Den ganzen Bericht lesen Sie hier:
Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2006
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Sucht- und Drogenberichte |
6. November 2006
Frankfurt Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.01.2003, Nr. 14, S. 47
“Weg von dem Dreckzeug, das draußen verkauft wird”
Als Kind sexuell missbraucht, begann sie mit 15 Jahren die verletzte Seele mit Alkohol und Haschisch zu betäuben. Nicht lange, da stieg sie auf harte Drogen um. Die heute Zweiundvierzigjährige ist inzwischen gesundheitlich völlig ruiniert, HIV-positiv, übersät mit Abszessen, Hautentzündungen und offenen Wunden. Mit Methadon komme sie nicht zurecht, das reiche ihr nicht, wie sie meint. Deshalb jagt sich die abgemagerte Frau Tag für Tag zusätzlich zum Methadon noch Heroin in ihren malträtierten Körper. Jetzt hofft sie auf den Heroinversuch, darauf, dass sie sich körperlich etwas erholt und Halt findet. Ein Paradebeispiel, wie Prüfarzt Abdolhamid Zokai weiß. Die Frau, die zudem seit ihrem sechzehnten Lebensjahr unter depressiven Störungen, Angst und Panikattacken leidet, gehört zu den ersten, die bereits für die Studie ausgesucht wurden.
Mit von der Partie sein wird auch der Vierzigjährige, der vor zwei Wochen ausgiebig von Ärzten untersucht wurde. Seit er fünfzehn ist, nimmt er, was der illegale Rauschgiftmarkt ihm bietet. Aus zerrütteten Familienverhältnissen stammend, der Vater ist Alkoholiker, wuchs er in verschiedenen Heimen auf, flog dort aber immer wieder raus. Der Mann hat keine Ausbildung, kann weder lesen noch schreiben. Ungefähr die Hälfte seines Lebens verbrachte er im Gefängnis. Bisher für keine Art von Therapie zugänglich, setzt er jetzt auf die Heroinvergabe. Von Methadon hält er nichts, hat Angst, davon abhängig zu werden. Jetzt will er von dem “Dreckzeug, das draußen verkauft wird”, loskommen.
Das sogenannte Straßenheroin wird mit den unterschiedlichsten Substanzen stark gestreckt, zum Beispiel mit pulverisierten Schlaftabletten. Nach Einschätzung von Fachleuten liegt der Reinheitsgrad auf der Szene derzeit bei um die neun Prozent. Außerdem werde oft mit den Mengen betrogen, 0,8 Gramm Heroin beispielsweise verkaufe der Dealer für angeblich ein Gramm, wie Insider berichten. Um seine Sucht zu befriedigen, braucht ein langjährig Heroinsüchtiger von dem Rauschgift auf dem illegalen Markt täglich zirka drei Gramm. Das heißt, Tag für Tag muss er um die 150 Euro zusammenbringen. Weil ein hochgradig Abhängiger also entweder Geld oder Drogen beschafft, ist mit der ärztlichen Heroinvergabe die Erwartung verknüpft, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.
Dennoch reagieren viele Süchtige alles andere als euphorisch auf die neue Perspektive. Diese Erfahrung machen derzeit Sozialarbeiter, die in Frankfurts Hilfseinrichtungen, vor allem in den Druckräumen, aber auch in Methadon-Ambulanzen nach Bewerbern für das Projekt suchen. Dort treffen sie zwar viele Junkies, die mit den bestehenden Hilfsmöglichkeiten keinen Weg in ein anderes Leben gefunden haben, doch die sind oft wenig von dem Modell zu begeistern.
Wer in einen Druckraum geht, hat ohnehin erst mal nur eines im Sinn: Er will seine nächste Spritze. Danach ist er entspannt und vielleicht für einen Dialog bereit. “Ach nee, da müsste ich hier bei euch rausgehen. Das will ich nicht”, meint einer im Krisenzentrum an der Elbestraße, wo es außer der Fixerstube eine Methadonambulanz für zirka 80 Süchtige, 17 Übernachtungsgelegenheiten und neun sogenannte Tagesruhebetten gibt. Ein anderer hat schon mal was von der Heroinstudie gehört und will sich die Sache durch den Kopf gehen lassen.
Ein Hauptgrund für solch distanzierte Reaktionen sind die deutlich veränderten Konsummuster. Crack hat Heroin verdrängt, der Kokain- Abkömmling ist zur Hauptdroge geworden. So beobachtet Wolfgang Barth, Leiter des Krisenzentrums an der Elbestraße, daß die Zahl der Rauschgiftinjektionen in dem Druckraum seiner Einrichtung im vergangenen Jahr weiter rückläufig war.
Die zunehmende Attraktivität von Crack erklärt Barth unter anderem damit, dass Kokain in dieser Form relativ einfach und überall zu konsumieren sei. Die Cracksteine werden auf eine spezielle Pfeife gelegt, dann kommt ein wenig Zigarettenasche darauf - um den Verbrennungsprozeß zu beschleunigen -, schließlich wird das Ganze mit einer großen Flamme angezündet. Anschließend werde die aufputschende Substanz mit tiefen Lungenzügen inhaliert. Das dauere gerade mal eine halbe Minute. Die Wirkung trete innerhalb von Sekunden ein, halte allerdings nur fünf bis zehn Minuten an. Danach begeben sich die Süchtigen nach seinen Worten sofort wieder auf die Jagd nach Nachschub. Man kann sich leicht ausrechnen, was ein Abhängiger an Geld braucht, wenn eine Dosis auf dem Schwarzmarkt mit zirka 50 Euro gehandelt wird.
Während Crack hellwach und unruhig macht, führt der Konsum von Heroin zu einem “wohlig warmen Gefühl”, wie Süchtige es beschreiben. Überdosiert oder entsprechend gestreckt, ist Schläfrigkeit die Folge. Dennoch scheint es auch eine Gemeinsamkeit der beiden Drogen zu geben. Heroinabhängige vergessen nämlich nie wieder den “absoluten Kick”, wie sie ihn nach der ersten Injektion hatten, den sie danach aber nie wieder erleben. Doch das Gefühl nach dem Rauchen von Crack nähere sich diesem ersten Erlebnis mit Heroin an, wie Barth schon oft von Abhängigen gehört hat. Dieser “Flash” soll sein wie “eine starke große Sonne, die aufgeht und wie ein Blitz einschlägt”. Eine Einunddreißigjährige fürchtet, sich für die Heroinstudie zu bewerben, dann aber in der Kontrollgruppe zu landen, die Methadon erhält: “Warum soll ich das Risiko eingehen, die Beratungsstelle wechseln zu müssen.” Da bleibe sie doch lieber in der gewohnten. Die Angst vor Veränderung ist bezeichnend für Süchtige. Im Falle des Modellversuchs kommt erschwerend hinzu, dass am Ende der Zufall entscheidet, wer Heroin und wer Methadon bekommt. Diese weiße Flüssigkeit ist zwar ein zuverlässiges Mittel gegen Entzugserscheinungen, doch das von den Süchtigen ersehnte starke Wohlbefinden, wie sie es vom Heroin und Crack kennen, bleibt aus.
Alle Augen werden sich bald auf die Abhängigen richten, die in der Heroinambulanz ein und aus gehen. So deuten Ergebnisse aus der Schweiz darauf hin, dass der Kokainmissbrauch der Projektteilnehmer im Laufe der Zeit zurückgeht. Ob sich das bewahrheitet, ist mehr als eine wissenschaftliche Frage. Denn gerade in Frankfurt hat sich eine Crack- Szene etabliert, was verheerende Auswirkungen hat. Mit der Gier nach dieser Droge sind ein rasanter körperlicher Verfall, Beschaffungskriminalität und Aggressivität verbunden. Die zunehmende Gewalt in den Hilfseinrichtungen macht auch den Sozialarbeitern dort immer mehr zu schaffen.
Hinkt der Modellversuch zur kontrollierten Heroinvergabe einerseits der Zeit hinterher, weil Crack das Heroin in seiner Bedeutung abgelöst hat, kommt er doch vielleicht noch rechtzeitig. Denn gegen den Kokain- Abkömmling gibt es noch längst kein Patentrezept.
Brigitte Roth
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6. November 2006
Drogenambulanz zahlt Prämien für Junkies
(Hamburger Anzeiger vom 28.2.2003)
Hamburgs Drogenambulanz geht einen ungewöhnlichen Weg: Patienten des Heroinprojektes, die andere Drogenabhängige zur Teilnahme an der Studie bewegen, erhalten eine einmalige Vergütung von 100 Euro.
Wer dabei an Aktionen wie „Leser weben Leser“ denkt liegt laut Geschäftsführer der Drogenambulanz Hamburg GmbH, Dr. Klaus Behrendt (52) gar nicht falsch. „Natürlich wollen wir die Patienten anregen sich für die Studie einzusetzen“, sagt er.
Worum geht es? In sieben deutschen Städten soll untersucht werden, ob die Vergabe von reinem Heroin unter ärztlicher Aufsicht ehe geeignet ist als Methadon, die Lebenssituation der Patienten so zu stabilisieren, dass gute Vorraussetzungen für einen Entzug geschaffen sind. Dafür sollen die Abhängigen zunächst von der täglichen Jagd nach der Droge befreit werden. Das Problem: Um aussagekräftige Zahlen zu bekommen benötigt allein Hamburg 230 Heroinabhängige, die in denn letzten sechs Monaten kein Hilfsmittel angenommen haben, sowie die gleiche Zahl Methadon-Patienten, die außerdem harte Drogen konsumieren.
Doch bislang haben sich nicht einmal 140 Männer und Frauen gefunden, die bereit sind, jeweils zwei Jahre lang an der staatlich finanzierten Studie teilzunehmen. Ein Grund sei, so Dr. Klaus Behrendt, dass sich die Szene wegen der repressiven Drogenpolitik des Senats zurückgezogen habe. „Es ist sehr schwierig, Patienten zu finden, obwohl sich unsere Mitarbeiter rund 200 Stunden pro Woche in der Szene bewegen. Aber in viele Wohnungen kommen wir nicht rein, deshalb sollen uns die Teilnehmer helfen“, sagt er.
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6. November 2006
Ein Artikel der FRANKFURTER RUNDSCHAU vom 18.12.2002 über Dr. Uwe Kemmesies neueste Forschungen
Der FRANKFURTER RUNDSCHAU [FR] vom 18.12.2002 war, nicht zum ersten Mal, ein größerer Beitrag über Dr. Uwe Kemmesies zu entnehmen. Er ist laut FR Mitarbeiter des Instituts für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung an der Frankfurter Universität und Gründer eines “Centre for Drug Research“, welches jedoch “unabhängig von der Universität Aufträge akquiriert”.
“In Deutschland wird Drogenforschung vor allem aus medizinischer, psychiatrischer und pharmakologischer Sicht betrieben”, wird Kemmesies zitiert, was “zu einem verzerrten Blick geführt” habe. “Wir assoziieren Drogen immer mit Elend, dabei lebt der viel größere Teil der Konsumenten sozial völlig unauffällig”. Deshalb will “Drogenforscher” Kemmesies “nicht die Frage vergessen, die seiner Meinung nach im Mittelpunkt aller Beschäftigung mit Rauschgift steht: Warum nimmt ein Mensch zu einer bestimmten Zeit eine bestimmte Droge?”
Der Ausgangspunkt scheint nachgerade merkwürdig: seriöse Forschung über Drogen, also über psychoaktive Substanzen mit physiologischen Wirkungen in sozialen und individuellen Kontexten, hat sich selbstverständlich auf medizinisch-naturwissenschaftlich exaktem Boden zu bewegen. Auch kommt eine Position auf den ersten Blick eher rückständig daher, welche “Drogen immer mit Elend assoziiert”. Und die zitierte Frage, welche Kemmesies zufolge “im Mittelpunkt [sic !] aller [sic !] Beschäftigung mit Rauschgift” zu stehen habe, darf als Basis für eine ernsthafte Richtung der Forschung [!] eigentlich nicht durchgehen.
Womöglich aber ist dies alles nicht zum Nennwert zu nehmen. “Eines der Ergebnisse der Forschung” Kemmesies’ ist laut FR: “Die rechtliche Sanktion des Drogenkonsums durch den Staat spielt für den Gebrauch praktisch keine Rolle; darüber, ob jemand Drogen nimmt, entscheidet vor allem das ‚kulturelle Umfeld’ eines Menschen und das ‚Image’ eines Rauschmittels.”
Welche Überraschung. Wer die Herausbildung einer drogenkonsumierenden sozialen Schicht im Massenumfang in hochentwickelten Ländern Europas, Nordamerikas und Asiens in den vergangenen dreißig Jahren auch nur einigermaßen verfolgt hat, kennt die Metamorphose des bürgerlichen Trinkers früherer Jahrzehnte zum bürgerlichen Kiffer und zum bürgerlichen Kokser der ‚Moderne’ aus empirischer Anschauung wie aus theoretisch fundierten Untersuchungen hinreichend. Jede deutsche Familie hat schon seit vielen Jahrzehnten statistisch ihren je eigenen Alkoholiker. Jede deutsche Familie hat mittlerweile statistisch ihren je eigenen User diverser illegaler Drogen. Mechanismen des Zugriffs auf Drogen wie auch der sozial angepassten, also “unauffälligen” Verhüllung von Konsum und Konsumproblemen vor Freunden und vor der Familie wurden im gleichen Zuge modernisiert.
Kemmesies hat also “geforscht”, um herauszufinden, dass das Betäubungsmittelgesetz auf bürgerliche Rauschgift- Verbraucher keine nennenswerte Abschreckungswirkung zeigt. Bei der Bekanntgabe seiner “Ergebnisse” in der FR kann es sich eigentlich nur um eine gespielte Inszenierung handeln, sollte der “Forscher” doch seine soziale Forschungsumgebung gut genug kennen, um zu wissen: im [klein-] bürgerlichen Milieu unseres Landes gehören manifester Drogenkonsum und verlogene halböffentliche Distanz ebenso zusammen wie Unterwürfigkeit vor Autoritäten und lust-, wenn auch massvolles Brechen von gesellschaftlich-juristischen Regeln, sofern dieses nicht mit wirklichen sozialen und ökonomischen Verlusten sanktioniert wird.
Kemmesies hat schon vor mehr als drei Jahren in der Zeitschrift SUCHT Heft 2 / April 2000, eingereicht am 25.09.1999, “erste Ergebnisse eines Pilotforschungsprojekts vorgestellt, dessen empirischer Fokus auf das in der bundesrepublikanischen Drogenforschungslandschaft weitgehend ausgesparte Feld eines sozial integrierten Umgangs mit illegalen Drogen in gesellschaftlich etablierten Sozialkontexten gerichtet ist.” Und was er heute über die FR verlautbaren lässt, war schon damals Ergebnisstand seiner Pilotstudien, die auf der Basis einer Kohorte von “34 sozial integrierten Konsumenten diverser illegaler Drogen” beruhte.
Nein, man darf dies alles nicht zum Nennwert zu nehmen. Was als “Forschung” daher kommt, ist in Wirklichkeit nur ein intellektuell arg bescheiden verbrämter Tabubruch: Wenigstens einmal einen leicht degoutanten Sachverhalt ein wenig öffentlich aussprechen. Mehr ist es nicht, doch der deutsche Kleinbürger beginnt vor unbändiger Freude bereits zu jauchzen über seine Anpassung an den Zeitgeist.
Aufregend ist also nicht die Mitteilung des bekannten Sachverhalts, dass im bürgerlichen Milieu trotz juristischer Sanktionen geraucht, getrunken, gekifft, geschnupft, gespritzt und inhaliert wird, was das Zeug hält. Der eigentliche Skandal ist Kemmesies’ zentrale und von der FR auch entsprechend herausgestellte These: “Der viel größere Teil der Konsumenten lebt sozial völlig unauffällig.” Millionen Menschen allein in unserem Land mit riskantem bis exzessivem Gebrauch von Alkohol, Nikotin, Medikamenten, Cannabis, Kokain, synthetischen und weiteren Drogen aller Art. Hundertausende gesundheitlich durch derartigen Konsum dauerhaft Geschädigter pro Jahr. Zehntausende von Toten als ‚Preis’ für diese ‚Freiheit’. Jährlich Hunderttausende von Kindern und Jugendlichen mit drogen-induzierten Entwicklungsverzögerungen und teilweise irreparablen Entwicklungsstörungen.
Das alles soll “sozial unauffällig” sein ? Nur weil sich die meisten Opfer von Drogen nicht in offenen Szenen bewegen ? Nur weil vor allem die erfahreneren und die wohlhabenderen unter den “sozial integrierten Usern” raschen Zugriff auf Kliniken und Therapieeinrichtungen haben für den Fall, dass beim “völlig unauffälligen Koksen” doch einmal etwas schief gehen sollte ? Nur weil von Millionen sekundärer Opfer des Drogenkonsums nicht einmal die Rede ist: von Eltern und Geschwistern, Partnern und Freunden der “sozial unauffälligen Konsumenten” ? Nur weil vielfältige mit - de jure oder de facto entkriminalisiertem - Rauschmittelkonsum unvermeidlich verbundene menschliche Verletzungen, weil Gewalttätigkeiten zwischen einander an sich nahestehenden Menschen im übertragenen wie im wörtlichen Sinne, weil Dissoziationen sozialer Beziehungen von “Forschung” und Medien einfach ignoriert werden ?
Offenkundig reichen “34 sozial integrierte Konsumenten diverser illegaler Drogen” nicht aus, um denjenigen die Sprache zu verschlagen, die angesichts der empirisch zu konstatierenden Realität hier vor unser aller Augen von “sozialer Unauffälligkeit” reden. Da schlägt der kleine Tabubruch, für den sich ansonsten niemand weiter interessieren würde, in blanken Zynismus um, wird an anderen Stellen seinerseits zielgerichtet zur Begründung und zur Propagierung “sozial unauffälliger Konsummuster” eingesetzt und spielt auf diese Weise eine wichtige Rolle im Mechanismus von Werbung für, Handel mit und Konsum von Drogen.
Und das ist durch nichts zu rechtfertigen. Auch nicht dadurch, dass man zur “Sicherung seiner wissenschaftlichen Existenz … nach Sponsoren … intensiv Ausschau” halten muss, wie die FR den “Drogenforscher” Kemmesies abschließend zitiert.
S.A. Perea-Ude
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