“Gegner der Heroinvergabe werden als Ideologen diffamiert”

17. Februar 2007

Interview aus FR-Online

Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) will eine Bundsratsinitiative des Hamburger Bürgermeisters Ole van Beust für eine ambulante Heroinabgabe an Schwerstabhängige unterstützen. Baden-Württembergs CDU-Fraktionschef und Parteivize Stefan Mappus sieht dafür in der Union keine Mehrheit.

Frankfurter Rundschau: Sind Sie beim Thema Heroinvergabe alleiniger “Blockierer”, wie die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD) sagt?

Stephan Mappus: Nicht jeder, der eine bestimmte Position vertritt, ist automatisch ein Blockierer. Im Gegenteil. Die Anhörung unserer CDU-Fraktion ergab, dass es die großen Vorteile, die Diamorphinen (dem synthetischen Heroin, Anm. d. Red.) zugeschrieben werden, so nicht gibt. Was mich aber viel mehr stört in der Debatte ist die populistische Argumentation, man lasse die Menschen allein, wenn man jetzt nicht zustimmt. Das weise ich mit aller Entschiedenheit zurück. Sie werden überhaupt nicht allein gelassen, sondern weiterhin medizinisch auch beim Entzug betreut. Aber eben nicht mit Diamorphin, wie es manche Damen und Herren gern hätten.

Ihre Parteikollegen Roland Koch und Ole van Beust sehen das offenbar anders.

Bei Herrn van Beust wusste ich das. Bei Herrn Koch wundert es mich. Ich kann nur sagen: Die CDU-Bundestagsfraktion, auch deren gesundheitspolitische Sprecherin Annette Widmann-Mauz, die Partei-Vize in Baden-Württemberg ist, sieht es nicht so. Auch die CSU nicht. Wer veränderungswillig ist, muss schon den Beweis führen, warum er etwas ändern will. Wir haben doch auch eine Reihe guter Argumente, die Modellversuche nicht fortzuführen, z.B. die Erfahrungen in der Schweiz, wo man derzeit die vierte Generation synthetischer Ersatzdrogen konstruiert. Die Befürworter müssten zudem sagen, wer es bezahlen soll. Sie können bei einer Gesundheitsreform dem normalen Kassenpatienten nicht sagen, er bekomme weniger Leistung, müsse er aber einen noch höheren Beitrag zahlen. Gleichzeitig kommt das Thema Diamorphin auf die gesetzlichen Krankenkassen zu. Die Antwort auf diese Frage gehört zur Redlichkeit.

Aber selbst der Karlsruher OB Heinz Fenrich, ein CDU-Mann, hält Ideologie für den Grund ihrer Ablehnung.

Schon klar: Diejenigen, die dagegen sind, werden immer als Ideologen abgestempelt. Das stört mich generell an der Argumentation der Befürworter einer ambulanten Heroinabgabe. Es wurden Versuche gemacht, bei denen Diamorphine verglichen wurden mit Methadon. Es ist unbestritten, dass die Heroin-Therapie geringfügig bessere Ergebnisse bringt. Aber das Ganze fand unter Modellcharakter statt, also unter ständiger Aufsicht sowie psychosozialer und medizinischer Betreuung. Keiner der Befürworter sagt, wie das gehen soll, wenn es zur Regelbehandlung wird. Ich halte es deshalb für nicht seriös, die Gegner als Ideologen zu diffamieren.

Aus Ihrer Sicht ist der Kurswechsel der Union also keineswegs vollzogen?

Ich sehe keinen Kurswechsel der Union, sondern Einzelmeinungen. Ich würde auch einem Bundesparteitag in dieser Frage gelassen entgegen sehen. Eine ambulante Abgabe von Heroin lehnen wir ab. Das wird mit der CDU Baden-Württembergs nicht zu machen sein. Wenn es um stationäre Behandlungsmethoden geht, konnte und kann man mit uns reden.

Interview: Gabriele Renz (FR-Online)

 

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