Pressespiegel
6. November 2006
Pressespiegel
Auszüge aus den Pressereaktionen zu Pressekonferenz vom 11. April 2002:
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Frankfurter Rundschau
Main-Taunus-Kurier / Wiesbadener Kurier
Höchster Kreisblatt
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FAZ
12. April 2002
“Heroinvergabe ist die absolute Katastophe”
Interessengemeinschaft setzt sich für abstinente Drogenhilfe ein / Kritik am Modellprojekt
rig. Gegen die langfristige Behandlung von Drogensüchtigen mit Methadon und die Heroinvergabe hat sich gestern die “Interessengemeinschaft abstinente Rehabilitation” ausgesprochen. Dem Zusammenschluß gehören Selbsthilfeinitiativen und Fachleute an. Die Methadon- und Heroinvergabe halte Süchtige in ihrer quälenden Abhängigkeit fest, wurde argumentiert. Brigitta Reitz, Vorsitzende des Frankfurter Elternkreises, sagte, sie habe ihren drogenabhängigen Sohn damals unterstützt und ihm alle Sorgen abgenommen. Dennoch sei er immer tiefer in die Sucht abgeglitten. Sie habe lernen müssen, dem Sohn die Verantwortung zu übertragen. Mit der Methadonvergabe jedoch werde die Sucht erträglich gemacht, kritisierte Reitz. Gleichwohl räumte sie ein, daß derartige Programme sinnvoll sein könnten, wenn die psychosoziale Begleitung ernst genommen werde.
Der Geschäftsführer der Hofheimer Suchthilfe-Einrichtung Selbsthilfe im Taunus (SiT),Bernhard Fielenbach, setzte hinzu, für Süchtige seien Grenzen wichtig. Doch diese würden bei der Methadonbehandlung immer wieder überschritten. So habe einmal eine Vorgabe gelautet, daß der zusätzliche Konsum von anderen Drogen zum Ausschluß aus dem Programm führe. Daran halte sich die Drogenhilfe längst nicht mehr.
Nach Ansicht von Sören Link, Geschäftsführer der Suchthilfe “Hof Fleckenbühl”in Cölbe bei Marburg, führt Methadon nicht dazu, “daß jemand nüchtern wird”. Als “absolute Katastrophe” bezeichnete er die “als Arzneimittelstudie deklarierte”, ärztlich kontrollierte Heroinvergabe. Das Modellprojekt unterstelle, die traditionelle Drogenhilfe habe versagt. Die Gesellschaft resigniere damit vor dem Suchtproblem.
Fielenbach und Link beanstandeten auch die “immensen” Investitionen in den Bundesmodellversuch. Mit diesem Geld könnte man in der abstinenten Hilfe enorm viel bewegen, zum Beispiel für die Süchtigen bessere Zukunftsperspektiven schaffen. Es gebe genügend Plätze zur Suchtentwöhnung. Doch fehle es an Berufswegen, die der. Abhängigen eine sinnvolle und erstrebenswerte Zukunft eröffneten.
Den “Hof Fleckenbühl”mit seinen drei Regeln “Keine Drogen, keine Gewalt, kein Tabak” suchen nach Angaben von Link jährlich 750 Süchtige auf. Die Hälfte breche den Aufenthalt nach drei Monaten wieder ab. Von denjenigen, die länger als drei Jahre blieben - das seien 15 bis 2.0 Prozent -, werde niemand rückfällig. Berthold Kilian, langjähriger Referent beim Diakonischen Werk Frankfurt, sagte, Abstinenz befreie; nur so könne jemand seine Sucht in den Griff bekommen.
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Frankfurter Rundschau
vom 12. April 2002
Interessengemeinschaft fordert Abstinenz
Gegen eine kontrollierte Heroinvergabe hat sich jetzt die Interessengemeinschaft Abstinente Rehabilitation (IGAR) in Frankfurt ausgesprochen. Die Interessengemeinschaft, erst kürzlich gegründet, fordert eine Umorientierung in der Drogenpolitik: weg von Substitution und Heroinvergabe hin zu Abstinenzprogrammen. Abstinenz sei keine Frage der Moral, heißt es in einer Mitteilung, sondern erlöse den Süchtigen von dem krankhaften Wiederholungszwang. Außerdem hält die Interessengemeinschaft frühzeitige Arbeitsprojekte und individuelle Nachsorge über drei bis fünf Jahre für sinnvoll. ft
Interessengemeinschaft Abstinente Rehabilitation, Feldstraße 1, 65719 Hofheim.
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Wiesbadener Kurier/ Main-Taunus-Kurier
vom 12. April 2002
Massive Kritik an Heroin-Projekt
Bürgerinitiative beantragt einstweilige Anordnung / Abstinenz statt Drogenabgabe
Frankfurt. (dpa) Im Streit um den Modellversuch zur Heroin-Vergabe hat sich die Interessengemeinschaft abstinente Rehabilitation (Igar) mit einer deutlichen Absage an die herkömmliche Drogenpolitik zu Wort gemeldet. Künftig müsse Abstinenzprogrammen mehr Bedeutung beigemessen werden, forderte der 1. Vorsitzende der Igar, Berthold Kilian, gestern in Frankfurt. Nur über Abstinenz ließe sich Drogenabhängigen eine persönliche und berufliche Perspektive vermitteln.
Die Igar ist eine Gemeinschaft von Suchthilfe-Experten, die den Wert der Nüchternheit in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen gerückt haben. Unter ihrem Dach vereinigen sich Einrichtungen wie die “Suchthilfe Hof Fleckenbühl” in Cölbe (Kreis Marburg-Biedenkopf) und die “Selbsthilfe im Taunus” in Hofheim. Hier werde nach Darstellung Kilians Bedürftigen seit fast. zwei Jahrzehnten erfolgreich Unterstützung bei Entzug und Reintegration in den Alltag geboten. Eine Rückfallquote von zehn Prozent bei Langzeitbetreuten sei ein deutliches Zeichen für abstinente Rehabilitation und gegen die Vergabe von Heroin oder Methadon, so Kilian weiter.
An dem umstrittenen Heroinprojekt beteiligen sich sieben deutsche Städte, darunter Frankfurt. In der Medikamentenstudie soll die Auswirkungen einer Vergabe von reinem Heroin an Schwerstabhängige gegenüber dem Substitut Methadon untersucht werden. Unterdessen wird die geplante Heroin-Ambulanz nun auch auf juristischem Weg angegriffen. Die “Bürgerinitiative Ostend” berichtete, sie habe beim Verwaltungsgericht Frankfurt eine einstweilige Anordnung gegen das Projekt beantragt. Die Eltern eines siebenjährigen Mädchens sehen den Jugendschutz beeinträchtigt, wenn ihre Tochter auf ihrem Schulweg täglich an der Heroin- Vergabestelle für 100 Abhängige vorbei gehen muss.
Ein zweiter Antrag auf einstweilige Anordnung gegen das Projekt unter baurechtlichen Aspekten solle in der nächsten Woche gestellt werden, kündigte Initiativensprecher Gustav Kolb an. Die Stadt Frankfurt plant die Heroinambulanz im Sommer in den Räumen einer ehemaligen Weinhandlung einzurichten. Der Protest der Ostendbürger richtet sich gegen den gewählten Ort, der in der Nähe zahlreicher Kinder- und Jugendeinrichtungen liege.
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Höchster Kreisblatt
vom 12. April 2002
Interessengemeinschaft führt Feldzug gegen Methadon
Frankfurt/Hofheim. Es war eine Mischung aus Neugier, Abenteuerlust und Frust, die bei Oliver F. (Name geändert) schon mit 14 Jahren zu einem Leben führte, das fast 20 Jahre lang von Drogen bestimmt werden sollte. An Heroin wäre er fast krepiert. Oliver F. hat es geschafft, 36 Jahre alt zu werden. Seit zwei ein halb Jahren nimmt er keine Drogen mehr, kein Heroin, kein Kokain und kein Crack. Er lebt in Hofheim, macht seit vier Wochen in Frankfurt ein Praktikum bei einem Tätowierer. Ein Beruf, in dem er eine Zukunft sieht. Ob diese Zukunft drogenfrei bleibt, weiß er nicht. “Morgen kann es wieder passieren”, sagt er. Aber eines weißer genau: “Es war falsch, neun Jahre lang Methadon zu nehmen.” Das habe nur seine Sucht verlängert. “Mit Methadon werden die Süchtigen zwar von der Straße geholt, sind so nicht mehr sichtbar. Aber für die Abhängigen wird zu wenig getan. Es gab für mich keine konkreten Schritte heraus aus der Abhängigkeit”, sagt er. Wenn er auf sein Leben zurückblickt, schaut er auf eine düstere Zeit mit permanenten Rückschlägen, zwei gescheiterten Therapien, einer gescheiterten Ehe und einem Methadon Programm, das 1990 begann und neun Jahre dauerte. In dieser Zeit habe er weiterhin Heroin und Kokain genommen.
Irgendwann habe ihm ein Arzt gesagt, er müsse sich entscheiden - für das Leben oder den Tod. “Ich bin dann vier Monate in einer Psychiatrie gewesen, haben wieder gelernt zu schmecken und zu riechen, und den Schmerz, den das Leben bereiten kann, zu ertragen.”
Ein Königsweg aus der Sucht gebe es nicht, nur der Konsum von Methadon fühle nirgendwohin.
Für die vor einem Jahr in Hofheim gegründete Interessengemeinschaft abstinente Rehabilitation e.V. ist Oliver F. ein Beispiel dafür, dass die langfristige Abgabe von Methadon ebenso falsch ist wie die staatliche Abgabe von Heroin. “Ein Drogenabhängiger, der rehabilitiert werden kann, befreit sich von seiner Sucht nur durch Abstinenz”, sagt der Geschäftsführer der Suchthillfe Einrichtung “Selbsthilfe im Taunus” in Hofheim, Bernhard Fielenbach. Er, einer der Repräsentanten der Interessengemeinschaft, ist sich darin einig mit der Vorsitzenden des Bundesverbandes Elternkreise aus Frankfurt, Brigitta Reitz. Sie hat als Mutter erlebt, wie es ist, “seinen drogenabhängigen Sohn als fürsorgliche Mutter in seiner Sucht zu begleiten”. Methadon könne im Einzelfall sinnvoll sein, aber ohne psychotherapeutische Begleitung “findet ein Süchtiger nicht ins Leben zurück”, sagt sie. Methadon schaffe keinen Anreiz, aus der Sucht auszusteigen.
Sören Link, Geschäftsführer der Suchthilfe “Hof Fleckenbühl” in Cölbe bei Marburg hält besonders die staatliche Abgabe von Heroin für verwerflich. “Da kann ich einem Abhängigen gleich das Geld geben, und er besorgt sich den Stoff selbst.” Jeder Süchtige werde in Cölbe aufgenommen. “Sie müssen aber drei Regeln befolgen”, sagt Link. “l. Keine Drogen, 2. Keine Gewalt, 3, Keine Zigaretten.”
Die Interessengemeinschaft hofft, dass die Politik bei der Drogenbekämpfung nicht allein auf Methadon und staatliche Heroinabgabe setzt. (dick)

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