Presseerklärung vom 11. April 2002

6. November 2006

Die IGAR veranstaltete eine Pressekonferenz zum Thema:
“Alle reden von der Heroinvergabe - wir sagen:
Abstinenz befreit - Jeder hat ein Recht auf Unabhängigkeit”
Ort: WORK IN Frankfurt

Zeit: 11. April 2002 um 11 h

Nur eine umfassende Lebenshilfe bietet die Chance für einen dauerhaften Ausstieg
Die “Interessengemeinschaft Abstinente Rehabilitation e.V.” (IGAR) ist eine Gemeinschaft von Menschen aus den verschiedenen Bereichen der Suchthilfe, die den Wert der Nüchternheit (des Clean-Seins) zum Mittelpunkt ihrer Bemühungen macht. Als Süchtige, Angehörige von Süchtigen sowie als haupt- and ehrenamtliche Mitarbeiter der Suchthilfe haben sie die Folgen der Abhängigkeit von Suchtmitteln and süchtigem Verhalten unmittelbar erlebt. Sie wissen, wie schwer es ist, sich aus der Abhängigkeit zu lösen.

Nach Abschluss der Gründungsphase der IGAR e.V. and angesichts des soeben angelaufenen Heroin-Vergabe- Modellversuchs treten wir erstmals mit folgenden Forderungen an die Öffentlichkeit. Die vorzeigbaren Ansätze der “Suchthilfe als Lebenshilfe” wurden über Jahrzehnte entwickelt and haben sich in der Praxis bewährt. Man kann daher mit Fug and Recht von einer “Wiederentdeckung der Sucht- Hilfe” sprechen.

Abstinenz ist die Voraussetzung für das Gelingen einer erfolgreichen Rehabilitation. Nur ein Mensch, der sich aus Beherrschung durch die suchtbildende Substanz gelöst hat, kann unbeeinflusst entscheiden.

In der herkömmlichen Drogenpolitik muss eine Neuakzentuierung erfolgen - sowohl hessenweit als auch bundesweit: weg von der permissiven Substitution and hin zu Abstinenzprogrammen, denn Abstinenz ist die Voraussetzung für persönliche Entwicklung. Langfristige Substitutionsprogramme bewirken dagegen bei den Betroffenen eine Lebensvermeidungsstrategie. Substitution ist daher nur auf den Einzelfall and auf die Ausstiegsphase zu begrenzen.
Neben der Entscheidung für ein suchtmittelfreies Leben ist eine befriedigende zukunftsorientierte Arbeits- and Berufsperspektive die wichtigste Voraussetzung für eine nachhaltige soziale Integration von ehemals drogenabhängigen Menschen. Denn: Wer Zukunft will, braucht Lebenssinn, Ausbildung, Arbeit. Arbeiten ist ein grundsätzlicher Bestandteil des Lebens. Daher sollten frohzeitig den Betroffenen Arbeitserprobungen, Praktika und Beschäftigungsprojekte angeboten werden - möglichst angegliedert an eine Suchthilfeeinrichtung. Denn nur eine breite Palette an Berufs-, Ausbildungs- and beruflichen Erfahrungsfeldern bietet die Gewähr für eine erfolgreiche Rehabilitation. Wir fordern die Politik auf, hier geeignete Rahmenbedingungen zu initiieren.

Einzelne Betroffene benötigen dauerhaft einen organisierten Rahmen, um nüchtern leben zu können. Dabei spielt die freiwillige Anbindung an eine Selbsthilfegruppe die entscheidende Rolle für dauerhafte Nüchternheit. Hier entwickeln die Betroffenen einen Lebensplan and befassen sich mit dessen Umsetzung.

Der entscheidendste Baustein im Rahmen des gesamten Rehabilitationsprozesses ist eine differenzierte, individualisierte Nachsorge. Sie ist die Voraussetzung für eine gelungene, langfristige Wiedereingliederung. For den gesamten Prozess benötigt der Betroffene 3-5 Jahre.

Fazit: Nur eine umfassende Lebenshilfe im Freizeit- and Sinnbereich, im Wohnumfeld sowie in Arbeit oder Beruf bieten die Chance für einen dauerhaften Ausstieg. In allen Hilfsangeboten muss das Fundament ,Hilfe zur Selbsthilfe” sowie der berufs- and zukunftsorientierte Ansatz im Vordergrund stehen

Abstinenz ist keine Frage der Moral. Die IGAR sieht in der Abstinenz eine sinnvolle and
notwendige “Diat” , sie ist das Ergebnis von jahrelangen erfolglosen Mäßigkeitsbemühungen.
Abstinenz erlöst den Süchtigen von dem süchtigen Wiederholungszwang.
Süchtige sind in der Lage, abstinent zu leben. Sie sind nicht hilflos krank!

Die Interessengemeinschaft stellt ihre jahrelange Erfahrung der Öffentlichkeit zur Verfügung and nimmt in diesem Sinne auch zu aktuellen Fragen Stellung.
Hofheim / Frankfurt am Main 11.04.02

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Abstinenz befreit!

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