Drogenambulanz zahlt Prämien für Junkies

6. November 2006

Drogenambulanz zahlt Prämien für Junkies
(Hamburger Anzeiger vom 28.2.2003)

Hamburgs Drogenambulanz geht einen ungewöhnlichen Weg: Patienten des Heroinprojektes, die andere Drogenabhängige zur Teilnahme an der Studie bewegen, erhalten eine einmalige Vergütung von 100 Euro.

Wer dabei an Aktionen wie „Leser weben Leser“ denkt liegt laut Geschäftsführer der Drogenambulanz Hamburg GmbH, Dr. Klaus Behrendt (52) gar nicht falsch. „Natürlich wollen wir die Patienten anregen sich für die Studie einzusetzen“, sagt er.
Worum geht es? In sieben deutschen Städten soll untersucht werden, ob die Vergabe von reinem Heroin unter ärztlicher Aufsicht ehe geeignet ist als Methadon, die Lebenssituation der Patienten so zu stabilisieren, dass gute Vorraussetzungen für einen Entzug geschaffen sind. Dafür sollen die Abhängigen zunächst von der täglichen Jagd nach der Droge befreit werden. Das Problem: Um aussagekräftige Zahlen zu bekommen benötigt allein Hamburg 230 Heroinabhängige, die in denn letzten sechs Monaten kein Hilfsmittel angenommen haben, sowie die gleiche Zahl Methadon-Patienten, die außerdem harte Drogen konsumieren.

Doch bislang haben sich nicht einmal 140 Männer und Frauen gefunden, die bereit sind, jeweils zwei Jahre lang an der staatlich finanzierten Studie teilzunehmen. Ein Grund sei, so Dr. Klaus Behrendt, dass sich die Szene wegen der repressiven Drogenpolitik des Senats zurückgezogen habe. „Es ist sehr schwierig, Patienten zu finden, obwohl sich unsere Mitarbeiter rund 200 Stunden pro Woche in der Szene bewegen. Aber in viele Wohnungen kommen wir nicht rein, deshalb sollen uns die Teilnehmer helfen“, sagt er.

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